Worldbuilding: das Heilige Einige Reich von Líohim – I. Die Länder

Fionn konnte es kaum erwarten, bis ihr Einmaster end­lich seetauglich wäre und sie ihr kleines Fischerdorf hinter sich ließen. Die Welt zu besegeln, mit Kellen an seiner Seite, klang verlockender als alles, was ein Leben in Bailín und der back­stüblichen Langeweile, die damit einherging, je würde bieten können. Freunde oder dergleichen, die ihn hier hielten, hatte er ohnehin nicht. Er würde niemandem fehlen und ebenso würde es sich andersherum verhalten. Und was die Großmutter und Kellens Vater anging, so sollten sie sich doch gemeinsam auf­regen, so viel und so heftig sie nur wollten – Fionn wusste genau, dass er nichts von alledem bereuen und nichts ver­missen würde, allein schon deswegen, weil er Kellen an seiner Seite hätte. Mehr brauchte er nicht.

Eine Abhandlung über das Heilige Einige Reich von Líohim in seiner Gesamtheit – seinen Ursprüngen, seiner Geschichte durch Kriege und Frieden, seinen Ländereien und Kurfürstentümern, seinen Herrschergeschlechtern und seinen Völkern – kann nur in mehreren Teilabschriften vonstattengehen; der Versuch, all dies in einer einzigen Abfassung zu Pergament zu bringen, würde unweigerlich und einzig das Versagen des Langmuts sowohl eines jeden, der es niederschriebe, wie auch all derer, die es läsen, zur Folge haben. Daher wird der gänzliche Bericht, entsprechend den Ausdrücken der obersten Magisterwürdigkeiten, im Folgenden in mehreren Artikeln verfasst und veröffentlicht.

Dieser erste soll daher die geografischen Grundkenntnisse darlegen, welche für die Weiteren von Nöten sind, und wird sich mit den Ländereien befassen, welche im Jahre 1877 n. L. unter der Herrschaft des H. E. R. befindlich sind.

Dieses sind alle jene, welche sich südlich der Nebelberge (Menez Nivluínn in der alten Sprache Errions) und der Weißen Berge grob befinden. Sämtlich sind sie Kurfüstentümer des Heiligen Einigen Reiches von Líohim und stehen unter der Herrschaft seiner Großkaiser.

Die Länder des H. E. R. sind:

LÍOHIM selbst, die Weiße Stadt, die Hauptstadt des H. E. R. am Binnenmeer, umgeben von mächtigen Mauern. Hierzu gehören auch die umliegenden WESTMARKEN, die MITTMARK, die LÄNDER VON LÍOS sowie die NEKROPOLE westlich des Binnenmeeres, die dort liegende Stadt WESTERNIS und der KAISERWALD südöstlich der Stadt.

ERRION, die Westlichen Küstenlande, bekannt für seine gesalzene Butter und die Zähe seiner Bewohner; einstmals die Länder der Celdennen und die Herrschaftsgebiete der alten Westkönige. Heute wird es von den Herzögen von Santísmer regiert.

ARNIS, auch das Land von Silber, Gold und der gewetzten Messer genannt; ein heißes und trockenes Land, bekannt für seine Orangen und Oliven, für seine Gold- und Silbervorkommen in den Bergen und vor allem für seine kaum bezwingbaren, kampfkräftigen (und teuren) Söldner.

HOEGHAIN, die Kornkammer des Reiches; ein fruchtbares Land, vom Fluss Hoelor durchzogen, das jedoch seit dem Sturz seines letzten Königs zunehmend unter Unruhen leidet.

IRIAS, die größte Insel des H. E. R., ein dünn besiedeltes Land, von dem es heißt, hier gäbe es mehr Ziegen, Rinder und Zitronenbäume als Menschen.

Die RHUNENLANDE, ein bergiges und bewaldetes Land mit zahlreichen Steinbrüchen, durchzogen vom Fluss Rhuínen. Viele Baumaterialien für Líohim (insbesondere der begehrte weiße Marmor) stammten und stammen von hier.

Die SÜDLANDE erstrecken sich östlich der Meerenge von Andín und südlich der Regenberge; hier leben große, wilde Tiere, außerdem liegen hier die Stadt Nîssus, der Hauptsitz des Magisterordens, sowie der südliche Kriegshafen und die Stadt von Constynus.

ALEAS, das östlichste Kurfürstentum des H. E. R., es steht unter der Herrschaft der Fürsten von Alianor; auf der Insel Alianor, die über eine lange Brücke mit dem Festland ver­bunden ist, werden Seide hergestellt und seltene Erze abge­baut.

Das FÜRSTENTUM VON BEL-KA’AR, ein in sich zurück­gezogenes kleines Fürstentum im Osten des Reiches, in einem Tal der Grauen Berge und am Quell des großen Flusses Mellnar gelegen. Es heißt, die Menschen hier seien geschickt im Umgang mit Pfeil und Bogen, eine Eigenschaft, die sie von den Reitervölkern der Steppen von Aleas gelernt haben, mit denen sie Handel treiben sollen. Als Einzige der Reichs­fürsten sind ihre Herrscher keine Kurfürsten und somit nicht zur Wahl der Großkaiser zugelassen.

MAEGLOS & die Dunkelwälder, die weiten Waldgebiete im Osten des Reiches unter der Herrschaft der Bärenritter. In den tieferen Schatten des Waldes soll es noch dunkle Mächte geben, aus alten Tagen, die von den starken Bärenrittern im Zaum gehalten werden.

Dazu kommen die Freien Handelsstädte Kharras, Mohns und Pont, das untergegangene Reich der Silberkönige von Numis, die Städte der Magister, die Grenzfestungen, die Wet­terlande sowie die Kobaltinsel, die Tinteninseln, die Inseln im Arnischen Meer und diverse kleinere Inseln (ausgenommen die Schwarzblutinseln), und die Bruchlanden weit im Osten, wo die Grauen Berge in die See hineinreichen.

Die Länder im Norden hingegen gehören zum FREIEN KÖNIGREICH VON ISTANSGARD. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Istansgard und Líohim sind seit dem großen Reichskrieg, der von 1695–1772 n. L. zwischen den beiden Ländern wütete, so gut wie erstarrt. Nur in Ausnah­mefällen werden noch Boten entsandt; zuletzt etwa im Winter des Jahres 1874 n. L., als nach dem flüchtigen Mörder seiner lichten Gnaden Valentyn IV. gesucht wurde.

Diese Umstände jedoch halten die Kaufleute des Südens (vor allem die der Freien Handelsstädte), nicht davon ab, mit dem Norden Handel zu treiben. Insbesondere das samtschwarze Nídissalz ist bei den wohlhabenden Bürgern und den Edel­leuten – und allen anderen, die es sich leisten können – im H. E. R. sehr begehrt.

 

Mehr über die Länder des Großkontinents erfährst du in Das Schicksal der Fluchträger – Teil 1 & 2

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(Schreib-) Update Q1 2o26